Können lassen

Fast aufdringlich wird man überall mit der Nase drauf gestoßen, man solle…man müsse… sich neuausrichten, um in diesem Leben besser bestehen zu können.

Nichts dagegen zu sagen – es ist gut, das eigene Denken und Tun ab und an zu hinterfragen, notfalls Änderungen vorzunehmen.
Aber begründet das gleich eine professionelle Neuausrichtung?
Und wie oft?
Einmal?
Monatlich?
Jährlich?
Bei beruflichen Veränderungen?
Bei persönlichen Veränderungen?
Immer wenn die Kasse klingeln soll.

Manchmal reicht es völlig aus
wenn man sich drauf besinnt, sein zu DÜRFEN wie man ist und
wenn man sich selbst einfach mal mag.
Dann kann man auch die eigenen Schwächen oder Fehler annehmen.

Es wird viel zu oft versucht, uns etwas Unnötiges oder Falsches aufzudrücken.
Ein deutliches Nein hilft gut – und ist dazu noch kostenlos.

Menschen können. Man muss sie aber auch lassen.

Werbeanzeigen

Verdammt lang her

 

Abgrenzungen verschwommen

Grenzlinien bedeutungslos

langsam

geworden

Farben werden klar

Formen auch

seltsam

selbst Menschen

wandeln sich

und sind doch

wie sie immer waren

gestern, heute, morgen

 

 

 

Trauern was das Zeug hält

 

 
Manchmal lassen mich Traueranzeigen frösteln.

Sicher, jedes Mal steht eine solche Anzeige für Menschen, die den Verlust eines anderen Menschen zu beklagen haben. So jedenfalls sagt man. Der Verstorbene kann es ja nicht mehr lesen.

Ich finde die Bekanntmachungen interessant. Sind sie meistens in Standard-Formulierungen rein informierend verpackt, gibt es doch immer wieder die völlig anderen. Man erkennt sofort eigene Ideen, persönliche Gedanken, eigene Worte. Manchmal spiegelt ein einziger Satz ein ganzes Leben eines zu Betrauernden wider.
Ein anderes Mal wird der Leser zurückgelassen mit Worten, die alles und nichts erklären.

Dann gibt es noch diese Anzeigen, die eine oder zwei Seiten mit immer demselben Namen füllen. Zwei, drei, fünf, sechs, sieben oder noch mehr Anzeigen, in denen diesem einen Menschen gedacht wird.
Dieser Ruhm gebührt meist Männern. Es muss sich um wahre Wundermenschen handeln, nur so ist zu erklären, wie ein einziger Mensch von so vielen Seiten mit überschwänglichem Lob und nun Bedauern geehrt wird.
Politik, Gemeinde, Stadt, Land, manchmal Bund, Feuerwehr, Rotaryclub, dieser Verein und jener Verein, hier Vorsitzender und dort Ehrenamtlicher, Gründungsmitglied, Altvorderer, auf jeden Fall immer hochgelobter Wohltäter. Oft dazu noch Firmenchef.
Hochgelobt in Großformat. So als stünde Großformat für Hochformat… Eine halbe Seite mindestens. Pro Anzeige. Versteht sich. Natürlich.
Ob eine kleine Anzeige gleichwohl wertschätzend sein kann?

Ach ja, und dann – inmitten dieser massig Platz einnehmenden Riesenanzeigen (ich fühle mich erinnert an eine Litfaßsäule) – wird diese winzig wirkende Traueranzeige platziert: eine liebende Ehefrau, drei Kinder des treu sorgenden Vaters und Schwiegervaters, vier Enkelkinder des über alles geliebten Opis, zwei Urenkel, ein Bruder, eine Schwester, usw. beklagen den Tod des Familienmitglieds und Verwandten.
Daneben sehe ich eine noch kleinere Anzeige, gewidmet „unserem Freund“, der viel zu früh, völlig überraschend und unerwartet von ihnen ging.

Ich frage mich, wann dieser Mensch bei all seinen wohltätigen und ehrenamtlichen Tätigkeiten Zeit fand für seine Ehefrau, Kinder, Enkel und Urenkel, Geschwister. Wann hatte er Zeit für seine Freunde?
Fand er Zeit für sich? Kannte er sich? Konnte er überhaupt etwas mit sich anfangen? – Mochte er sich?

Hin und wieder begegnet/e mir schon ein solcher Übermensch.
Hoch gelobt, Wohltäter, Gönner, Freund. Schon über Jahre hinweg gesundheitlich angeschlagen. Trotzdem immer überall dabei. Überall mitredend. Überall mitbestimmen wollend.
Nur zuhause, da werden und wurden sie immer schmerzlich vermisst. Schon über Jahre hinweg, vielleicht sogar Jahrzehnte.

Was von alledem nehmen die Verstorbenen mit? Texte von hochwohlehrenden Todesanzeigen? Trauerreden, die gewiss noch folgen werden?
Ich denke, oft sind sie lange vorher schon tot. In gewisser Weise.

Mein Mitgefühl gehört lange schon vorher der Familie.
 
 

 

Sommer im Herbstkleid

 

Und wieder ist diese Zeit, in der sich die Tage jähren, an denen liebe, besondere Menschen aus meinem Leben gingen.

Die Erinnerung ist immer da, sie braucht keinen Jahrestag. Und doch ist jedes einzelne Abschiedsdatum wie eingebrannt im Gedächtnis.

So viele Momente, Tränen, Lachen, Schmunzeln, Gespräche, Diskussionen, Unverständnis, Andersartigkeit, Verständnis, … Liebe.
Gibt es doch so viele Formen der Liebe.

Und immer wieder ein schmerzhaftes Ziehen bis tief in die Magengrube. Der Gedanke daran, dass manche Menschen von mir gingen, die gerne geblieben wären. –
Und jene, die hätten bleiben können.

Mir fehlen unsere Gespräche, bleibende Worte, bleibende Momente, bleibende Blicke, das Miteinander- und Füreinanderdasein.

Mir fehlen Erinnerungen, die nicht werden konnten.

 

 

Bäh-Wort: Röstaromen

 
 
Seltsam. Geht es neuerdings irgendwo ums Kochen, hört man nur noch „Röstaromen“, „Röstaromen“ und „Röstaromen“.
Als ob die jetzt erst entdeckt worden wären.

Gut, dass wir endlich gesagt bekommen, wie man schmackhaft kocht… :)
Was hat die Menschheit eigentlich ohne Starköche gemacht?

 
 

Nichts gegen Kochsendungen, ich mag manche wirklich gerne, aber das ist zu viel des Guten.