Nun beginnt es wieder.
Besinnliche Advents- und Weihnachtszeit, Menschen, die durch Fußgängerzonen, Weihnachtsmärkte und Läden hetzen. Man wird von riesigen Einkaufstüten oder Rucksäcken angerempelt, das Betrachten irgendwelcher Schaufensterauslagen fällt meist schwer.
Wenn ein ganzes Jahr lang so gelebt wird, als müsse man allzeit erreichbar sein bei selbstverständlich stets überdurchschnittlicher Leistungsbereitschaft, da kommt am Ende (des Jahres) schon mal die Frage auf: Wo ist bloß die Zeit geblieben?

Sie geht verloren, weil wir vieles nicht mehr machen, ohne eine weitere Aufgabe gleichzeitig zu erledigen oder zu erleben.

„Wie geht es dir? Sag doch mal.“ Eine schöne Frage. Wenn an der Antwort wirklich gelegen ist. Kann man das leise Beben der anderen Stimme wahrnehmen, während man sich hupend durch den Feierabendverkehr auf der Autobahn schlängelt?

Ein schneller Mittagssnack, selbstverständlich mit gleichzeitigem Checken der E-Mails und Nachrichten am Smartphone.
Auf die Frage danach: „Wie hat es dir geschmeckt?“, zuerst eine überraschte Pause, dann ein kurzes Überlegen, gefolgt von einem Stammeln: „Ja, ja, war gut.“ Ob derjenige wirklich weiß, wie die einzelnen Zutaten geschmeckt haben?

Eine junge Mutter. Mit der rechten Hand schiebt sie ihren Kinderwagen, der mitgeführte Hund ist am Kinderwagen angebunden, mit der linken Hand spricht sie unwichtiges Zeug laut in ihr Handy.
Am Abend wird sie ihrem Mann nicht erzählen können, was ihr Kind ihr mitteilen wollte, als es heftig gestikulierend auf etwas zeigte. Die Mutter hat es gar nicht wahrgenommen.

Oder du, der den ganzen Tag lang vom einen Termin zu anderen hetzt, die Zeiten eng gesetzt. Zeit ist Geld. Dazu Stau und andere unvorhergesehene Verzögerungen. Zwischendrin eine Stunde entspannende Massage. Danach schnell weiter zum nächsten Termin, von dem du jetzt schon weißt, du wirst zu spät kommen. Aber immerhin: jede Stunde des Tages voll genutzt.

Ich bin sehr gerne altmodisch, langweilig, geworden.

Wenn ich lese, dann lese ich.
Wenn ich telefoniere, dann telefoniere ich.
Wenn ich esse, dann esse ich.
Wenn ich gehe, dann gehe ich.
Wenn ich dich treffe, dann höre ich auch zu.
Manchmal mache ich auch nichts.
Ich kann das. Wieder.

 
 

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