Twitter kannte ich bisher nur aus dem Urlaub. Praktisch daran ist, sehen zu können, welches Schiff gerade in den vor mir liegenden Hafen ein- oder ausläuft. Name, Schiffsart, BRT, wie viele Menschen darauf und darin Platz finden, woher es kommt, wohin die Reise führt.

Bisher folgte ich nie einem Twitteraufruf. Infos über alles Wichtige in der Welt bekommt man sowieso ungefragt überall mitgeteilt und welches Sternchen gerade mit welchem Star zusammen gekommen ist oder auch nicht, das muss ich nicht wissen.
Trotzdem ging ich vor ein paar Tagen (in einem bisher gern gelesenen Blog einer Frau) dem (dortigen) Twitterhinweis nach.
Neugierig geworden wollte ich wissen, was es über ihr tägliches Bloggen hinaus, ebenfalls täglich, nein stündlich – dort sogar viertelstündlich – aus einem Leben zu twittern gab.
Da war zu erfahren, dass also eine x-beliebige Frau vor ein paar Minuten Katzenklo Nr. 2 geputzt hatte. Ich scrolle weiter. Etwa 15 Minuten zuvor war dieses Prozedere Katzenklo Nr. 1 ebenfalls widerfahren. Dazwischen gab es lt. Chronologie 1 Tasse Kaffee (im Kaffeebecher). Schwarz, mit Zucker, aus der Filtermaschine. Währenddessen ein dreiminütiger Telefonanruf. Eine Stunde davor gab es 1 Teller Gemüsesuppe. Sicher hatte die Probandin großen Hunger, wurde sie bereits um 7 Uhr am Morgen vom Funkwecker geweckt (2x Snoozefunktion genutzt), um danach zu duschen, Zähne zu putzen und leicht geschminkt das Haus zu verlassen, und schließlich mit dem Bus in die Innenstadt zu fahren (5 Minuten Wartezeit an der Bushaltestelle). Zweck der Fahrt: Umtausch einer am Dienstag zu klein gekauften Jeans. Gr. 38 passt der Dame nicht mehr. Danach zweites Frühstück in irgendeinem Café. Den Namen und das Verzehrte habe ich vergessen. Er erschien mir anscheinend nicht wichtig genug, es mir zu merken.
So in etwa berichtete in kurzen, manchmal auch längeren, Intervallen eine Frau über ihr alltägliches Leben.
Ich frage mich, seit ich ich diese Informationen dort gelesen, noch mehr, – und ich frage das ohne jede Ironie – WER liest so etwas? WARUM liest das jemand? Und vor allen Dingen: WARUM gibt das jemand öffentlich zur Schau?

Letztlich ist mir klar geworden, warum man es „Twittern“ nennt.
Die Vögelchen im Garten zwitschern auch, sehr vergnügt, weil sie keine andere Aufgabe haben außer Futtersuche, fressen, kacken, Futtersuche, fressen, ka… Okay, sie pflanzen sich zwischendurch auch mal fort. Zum Erhalt ihrer Spezies. Darüber hinaus haben sie kaum etwas zu tun.

Seltsam, plötzlich ist mir die Lust vergangen, weiter ihren Blog zu lesen.

Ich hatte es geahnt. Nun ist begründet, warum ich (solches) Twittern nicht mag … auch wenn das keine Menschenseele interessiert.

 
 

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