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Mag sein, ich bin altmodisch. Oder hausbacken. Oder beides.
Okay, dann ist das eben so. Dann soll das auch so sein.

Sicher, es gibt Zeiten, in denen man alleiner (das Wort ist zwar nicht rechtens, aber ich mag es trotzdem) ist als sonst, oder ausgerechnet im unpassendsten Moment würde eine extra Portion Streicheleinheiten die Seele wieder aufleben lassen und dann ist da keine Menschenseele in Reichweite, die das übernehmen könnte.
Sicher, Massagen sind wohltuend und entsprechende Berührungen der Haut tun uns gut.
Dennoch berührte es mich merkwürdig, als ich jetzt las, fremde Menschen würden sich zu sog. Kuschelpartys (Cuddle-Partys) treffen, um in kleiner oder größerer Runde miteinander zu kuscheln. Selbstverständlich in pädagogisch gestalteten Workshops in geschütztem Rahmen.
Es stimmt alles, womit man die Menschen einlädt, daran teilzunehmen: das Bedürfnis nach Nähe, Vertrauen und auch das Angenommensein sind die Argumente.
Von Loslassen und Fallenlassen ist die Rede, von Hingabe und Vertrauen, von sich dabei bildendem Gruppenzugehörigkeitsgefühl und auch der Hinweis fehlt nicht, auch Tiere würden unbefangen kuscheln.
Nun, vielleicht ist dem Autor entgangen, dass nicht mal Tiere einfach so mit fremdem Tieren kuscheln (ich lasse mich da aber gerne belehren), denn sie spüren instinktiv, sie würden sich damit einer großen Gefahr aussetzen.
Als ich auf einer Webseite las, wir wären wieder eine Herde, ein Schwarm, der intuitiv das tut, was richtig ist, lief es mir kalt den Rücken runter. Nein. Nein. Nein. In mir regt sich Widerstand. Intuitiv ja, aber beim Gruppenkuscheln mit Fremden?!

Was passiert der (Menschen-)Seele, wenn man sich aus Alleinsein- oder Einsamkeitsgründen mit fremden Menschen treffen muss, um in Gruppen zu kuscheln? Kann ihr das wirklich guttun?

Kuscheln ist für mich etwas, das Wärme gibt, mir Geborgenheit vermittelt, wo ich loslassen darf und mich tatsächlich fallenlassen kann. In Armen, die mich schützen. In Armen eines Menschen, der mir nah ist, – schon vorher. In Armen eines Menschen, dessen Herz oder dessen Seele bei mir ist, jemand, der mich liebt oder sehr mag.
Nähe muss erst „wachsen“. So wie Vertrauen auch. Womöglich parallel dazu. Wenn ich jemandem nah sein will und umgekehrt auch, kann sich das entwickeln. Wenn ich jemanden mag, und er mich auch, mag ich vielleicht auch kuscheln. Nicht anders.
Auch wenn das total altmodisch ist. Oder verklemmt. :)
 
 
Anm.: Ob es einen bestimmten Grund hat, dass die autom. Rechtschreibkorrektur von WordPress aus „Gruppenkuscheln“ immer „Gruppenmuscheln“ macht? Ich bin da nicht sicher.
 
 

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