Der Tod dauert länger als das Leben. Wenn etwas länger dauert als das Leben, sollte es mindestens genauso gut sein. Besser aber besser. Sonst wäre der Tod ein Spielverderber. Und wer mag schon Spielverderber.

Vielleicht ist er so ähnlich wie Mama, die einst „Reinkommen!“ rief, wenn es Abend wurde. Erst wollte man nicht, weil die anderen noch länger spielen durften. Aber dann war es doch nicht so schlimm. Denn es gab Nutellabrot und Milch nach dem Baden, und mit etwas Glück durfte man in eine Decke gehüllt vorm Fernseher essen und man hatte plötzlich vergessen, was man verpasste.
 
 
(aus: „Worte“, heute, Karfreitag, SWR, Susanne Niemeyer)
 
 

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