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Wir sitzen uns gegenüber. Irgendeine schlecht beleuchtete Kneipe. Wir sitzen an einem dunkelbraunen Tisch mit klebriger Tischplatte.
Du siehst gehetzt und übermüdet aus. Deine Haare haben schon längere Zeit keinen Schnitt mehr erfahren, stehen und hängen wild auf deinem Kopf herum. Auch eine frische Rasur ist nicht zu erkennen. Noch nie vorher hatte ich dich ungepflegt erlebt.
Dein Blick huscht wild im Raum umher. Immer wieder. Anfangs sprichst du wie immer. Kurze, deutliche Worte, was du denkst und willst. Während ich überlege, was mit dir geschehen sein könnte, wird mir aber bewusst, dass du anders bist als sonst. Deine Wort klingen plötzlich angestrengt, so als müssest du sie erst suchen. Wir unterhalten uns, aber etwas ist anders als bei unseren anderen Treffen.
Du bist anders. Deine Gelassenheit fehlt. Ich versuche die Veränderung genauer zu erkennen. Als du auf meine Fragen hin versicherst: „Es ist alles wie immer!“, erkundige ich mich nach deiner Frau. Du reißt die Augen auf, stehst unvermittelt auf und sagst: „Die habe ich heute früh zu ihrer Mutter gefahren.“ Du bist wacklig auf den Beinen, dein Blick fliegt wie gebannt zu etwas hinter mir. Ich drehe mich um. Eine Frau steht hinten im Raum. Sie starrt dich an. Trotz des schlechten Lichts, erkenne ich eine dunkelhaarige, schlanke Frau. Aufgetackelt und von Zigarettenrauch umnebelt.
Ich wende mich zurück zu dir. In diesem Augenblick wird mir bewusst, du hattest getrunken. Plötzlich war alles klar. Dein andauerndes Haspeln, dein für dich ungewohntes Wortesuchen, diese fahrigen Bewegungen und umherirrenden Blicke, all das – du hast getrunken.
 
In diesem Moment wache ich auf.
 
 

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