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Zwei Jahre und etwas mehr sind vergangen. Du hattest mir zu verstehen gegeben, du willst keinen weiteren Kontakt zu mir. Von einer Sekunde zur anderen.
Zwei Jahre und etwas mehr habe ich gebraucht, um damit klarzukommen.
Zwei Jahre und etwas mehr und vermutlich noch viel länger, stelle ich mir immer wieder die Frage, was das alles sollte. Du hast mir jeden Versuch eines Klärens verweigert.
Zugegeben, wie wir uns kennen lernten, war nicht gerade alltäglich, aber du hättest unsere Bekanntschaft nicht zu vertiefen brauchen. Ich bin sicher, ein „Nein“ wäre möglich gewesen. Stattdessen, tja, was war das stattdessen? Eine angeordnete geschäftliche Beziehung? Neugier? die allerdings schnell abflachte. Interesse? an mir oder an dem was ich machte? Eine zweckgebundene Beziehung? Heiligt ein Zweck jedes Mittel? Eine zweckgebundene Beziehung liegt nahe.
Das hättest du mir doch sagen können, wo du sonst auch nicht auf den Mund gefallen scheinst.

In den ersten Tagen glaubte ich daran, du wirst anrufen und dich entschuldigen für diese seltsame Reaktion, oder dich wenigstens erklären.
In den ersten Wochen verging kein Tag, an dem ich mich nicht x-mal fragte, was zum Teufel nochmal ich verbrochen hatte, dass du nie wieder mit mir reden willst. Ich hatte Kritik geübt, das ja, begründet, das auch, aber Kritik zieht keinen automatischen Freispruch im Schlepptau mit. Fatal von mir zu glauben, Freundschaft hält das aus.
Hatte jemals eine von uns dieses Wort ausgesprochen? Freundschaft? Ich erinnere mich nicht. Aber ich erinnere mich an Stunden schöner, tiefer Gespräche, Momente stiller Verbundenheit, mit Hilfsaktionen verbrachte Wochenenden, Abende, gefüllt mit Lachen und auch Zeiten, in denen wir nicht einer Meinung waren. Aber es war für mich okay, ich hatte gesagt, was mich störte, damit war es für mich erledigt. An dir prallte alles ab.
Zwei Jahre, nein, etwas weniger, glaubte ich noch an unsere Freundschaft. Einbahnstraße.
Monatelang lang schüttelte ich immer wieder irritiert den Kopf, wenn ich mir wieder und wieder die Frage stellte: Wieso machst du das?
Ich dachte, es kann gar nicht sein, dass das alles war, dass das ‚Wir‘ beendet werden kann. Einfach so. Aus, fertig, vorbei. Ende. Es kam keine Nachricht von dir. Kein Anruf. Kein Zeichen. Nichts, nada, niente.
Selbst beim Schreiben schüttle ich den Kopf. Stumme Fassungslosigkeit noch immer.
In den ersten Monaten zog es mir den Magen zusammen, wenn ich an dich dachte. In mir breitete sich Übelkeit, Leere und Traurigkeit aus. Abgeschoben zu werden fühlt sich nicht schön an. Nicht, wenn man eng befreundet war, so wie wir.

Nach einem stillen Jahr wagte ich einen Vorstoß. Ein paar Minuten, ein paar erklärende Worte, etwas, irgendetwas klitzekleines, das mich verstehen lassen würde, weshalb ich mit Abschiebung bestraft wurde.
Wie lange braucht man für eine Tasse Kaffee? Fünf Minuten? Zehn Minuten? Eine Viertelstunde, nicht länger. Es kam kein kurzes Nein. Das wäre zu einfach gewesen. Die Vollklatsche. Selten hatte ich Ablehnung mir gegenüber deutlicher gezeigt bekommen als in diesem Augenblick. Nie warst du ehrlicher zu mir, als in diesem Moment, als dir meine Bitte die Stimme verzerrte. Du warst angewidert, ich erschrocken. – Was bin ich bloß für ein Mensch?
Ich hatte vieles in Kauf genommen, um den Weg zu dir zu gehen, es brauchte auch Mut, um ein Gespräch zu bitten, du hingegen fandest meine Bitte unmöglich. Du hattest keine Zeit. Nicht einmal fünf Minuten. Heute nicht. Morgen nicht. Übermorgen nicht. Viel zu tun, sagtest du. Autsch. Das war deutlich. Das war mehr als eine Ohrfeige. Doch du hattest nicht verstanden. Und du hast nicht mal nachgefragt. Niemals.
Ich hatte nicht damit gerechnet, dass du so treffen kannst. Linker Haken voll ins Herz.
 
 

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