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Vor ein paar Tagen stolperte ich auf einer anderen (Blog-)Plattform über den Titel „Bloggen ist out!“. Aha. Out. So einfach: zack, bumm, endgültig. Aus.

Es interessierte mich, wer oder vielmehr warum jemand diese scheinbar unwiderrufliche Feststellung trifft und sie ohne Wenn und Aber mit diesen drei ausgrenzenden Worten einfach so mir nichts dir nichts ins Netz stellt. Etwa so, als würde er schreiben: Der Sommer ist vorbei. Unumkehrbar. – Endgültig.

Seinen Eintrag begründete der Autor (oder die Autorin, ich habe nicht darauf geachtet) damit, es wäre inzwischen um einiges interessanter sich via Facebo_ok und Twit_ter oder auf anderen Plattformen auszutauschen. Man wäre viel näher an den Lesern und „Freunden“ dran, könne mit einem Tastendruck mehr Menschen erreichen und wäre auch viel spontaner und aktueller mit seinen Mitteilungen.
Ein weiterer Grund schien zu sein, dass heutzutage kein moderner Mensch mehr ausführlich darüber berichten wolle, was ihn bewegt und was er erlebt, vielmehr wäre es für die Leserschaft viel interessanter zu wissen, wer gerade mit wem in welcher Insider-Bar sitzt und wo man sich am Abend träfe. Heutzutage (so stand es dort) muss man Kenntnis haben von aktuellsten Trends – also denen von heute, nicht jenen vom letzten Freitag.
Die einzigen Blogs, die noch ein gewisses Existenzrecht hätten, wären solche, die über Bücher, Musik, Kunst, Kochrezepte, Kindererziehung u.ä. berichten, denn da würde sich eh nie was bewegen.
Politik wurde ausgegrenzt. Klar doch, warum die Dinge noch beleuchten, wenn einem Schlagzeilen im Minutentakt hingetwittert den Trend bequem vorlabern…

Ich las den Text ein zweites Mal. Ich hoffte irgendwo mittendrin ein Wort überlesen zu haben, eines, das den Titel ins Gegenteil kehren wird, eines, dass das Bloggen wieder gesellschaftsfähig machen könne. Nichts. Ich fand kein solches Wort. Die Aussage blieb so stehen. Kurz und bündig: „Bloggen ist out!“, so grinsten mich diese drei Worte frech an.

Wo dieser facegebookte Twitterling Blogs gelesen hat, um solche Ansagen machen zu können, weiß ich nicht. Will ich auch nicht wissen, denn man kann sich zum Glück aussuchen, wo man liest und wo man schreibt.
ICH finde es noch immer spannend, unter all den vielen Blogs (man kann die für einen selbst langweiligen recht einfach auslassen) ab und zu auf einen zu stoßen, dessen Inhalt mich derart fasziniert, dass er mich nicht mehr loslässt.
Und gerade wegen dieser heutigen Schnelllebigkeit ist mir ein Ort wie dieser hier, einer, an dem ich auch morgen oder übermorgen noch all das Geschriebene vom letzten Jahr nachlesen kann, lieb und teuer.
Außerdem ist ein Ort, an dem man seine Gedanken lassen kann, niemals out.

Den Namen des Blogs oder was das war, konnte ich mir nicht merken, viel zu schnelllebig ist dort alles… kaum gelesen, schon vergessen…

Ich schmunzelte vor mich hin und dachte: Da bin ich gerne altmodisch – und blogge… weiter.

Geteilte Gedanken.

Oder auch nur ganz für mich allein.
 
 

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