Eigentlich fühle ich mich total ausgepowert. Der letzte Urlaub liegt einige Zeit zurück und er brachte keine Entspannung. Der nächste wird kommen, aber nach kurzer Zeit wie immer verbraucht sein. Nicht, dass mir meine Arbeit nicht gefallen würde, es sind nur die Menschen, die die Freude daran manchmal trüben. Und die Menge ist es. Der Arbeitstag hat nun mal nur x Stunden und selbst wenn ich jeden Tag xx Stunden länger arbeiten würde, würde der Berg an Arbeit parallel dazu mitwachsen. Es liegt auch nicht am System. Nicht an meinem jedenfalls. Aber in einen 5-Liter-Topf passen nun mal nicht mehr als FÜNF Liter rein. Ich weiß das. Andere glauben noch an Wunder.
Danach suche ich natürlich den Weg zum Ausgleich. Stille. Ich mag die Stille. Da geht nicht mal mehr Musik. Nur Stille. Die aber verstehen manche nicht. Schwupp sind sie weg. Weg, wie andere auch. Es ist auch nicht erholsam, Menschen zu verlieren. Es tut nicht gut, sie zu verlieren. Nicht auf die eine und nicht auf die andere Weise. Es tut einfach nicht gut. Der Mensch wächst an seinen Aufgaben. Ach ja, tut er das? Wie groß muss ein Mensch werden können? Nein. Ich jammere nicht. Nein. Es ist nur so viel gerade. Gerade in letzter Zeit. Es fühlt sich an, als würde ich im Wasser stehen. Vor mir gut sichtbar ein Strudel. Sog. Ich fühle ihn schon meine Füße umkreisen, obwohl mir eigentlich mehr der Kopf schwirrt. Vor allem nachts, wenn ich schlafen sollte. Ich gehe todmüde ins Bett. Da lieg ich dann. Hellwach. Meine Gedanken wissen nichts von Nachtruhe. Aber mit Karussellfahrten kennen sie sich aus. Je schneller, desto besser. Müsste ich für sie bezahlen, würde ich keinen Cent mehr besitzen. Arm wäre ich. Bettelarm. Betteln? Nee, aber bitten ist gut. Bitte weniger Stress! Auch wenn ich dieses Wort im Grunde nicht mag, alles wird heute immer gleich als Stress betitelt, sogar, wenn die Leute an der Kasse nur einen Kunden vor sich haben, nein, ich mag das Wort nicht, aber ich bin gestresst. Ein bisschen. Arg. Vielleicht hilft es, gerade jetzt die Arme auf dem Tisch zu verschränken, den Kopf darauf zu legen, die Augen zu schließen und ein bisschen nur – zu sein.
 
 

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