Als mir heute beim Putzen (ja, wir fliegen auf den Mond, aber selbstreinigende Wohnräume hat noch keiner erfunden) der Geruch eines Putzmittels in die Nase stieg, sah ich plötzlich wieder meine Oma vor mir stehen:
Klein, breite Hüften, bei jedem Schritt immer etwas in die Seite einknickend, die längst grauen Haare schön gerichtet, steht sie mit adretter Schürze in ihrer großen Küche vor dem Herd. Jawohl, Oma stand auch damals schon nicht hinterm Herd.

Ein alter – heute werden solche als Nostalgieherd hoch gehandelt – mit Kohle betriebener Küchenherd mit integriertem Backofen. Er sah aus wie ein Koch-und Backschrank, außen herum weiß, emailliert (?), rechts zwei oder drei Öffnungsklappen, links der Backofenteil und oben auf den Kochflächen jeweils mehrere Ringe zum Herausnehmen, um die passende Größe für die Kochtöpfe zu schaffen. So passte jeder Topf. Heute kaufen wir Töpfe passend zu den Kochflächen… welch ein Fortschritt…
Ich erinnere mich noch gut daran, dass sie mich oft davor warnte, mit der Zange, mit der man die Ringe einsetzte, herumzuhantieren. Vielleicht hatte sie Angst, ich könne aus Versehen den kleinsten Ring ins größte Loch legen wollen und Opa müsste den dann später aus der Glut herausfischen. Vielleicht hatte sie aber auch nur Angst, ich könne mich verbrennen.

Dann gab es in der Küche noch einen Tisch. Einen Waschtisch. Also ein Tisch mit breiter Schublade, die man bei Bedarf herausziehen konnte. Eine Waschschüssel kam dann zum Vorschein. Daneben stand eine große weiße Kanne zum Wasser heranschaffen. Fließendes kaltes Wasser gab es zum Glück schon. Heißes Wasser musste man erst auf dem Kohleherd machen und nach dem Kochen oder Backen nutzte man die Restwärme immer, um Wasser aufzuwärmen.
Im Winter war es eh immer kuschelig warm in der Küche. Da heizte man mit diesem Kohleherd den Raum.
Dann gab es noch einen Küchentisch. Da saß ich oft mit Opa und wir knobelten oder spielten Karten, wobei ER immer schummelte und riesen Spaß hatte, wenn ich ihn entlarvte, während Oma neben uns auf das Essen achtete.
Irgendwie war das schön, obwohl es damals schon recht altbacken wirkte.
Zuhause hatten wir schon einen Gasherd und Warmwasser.
Na ja, in der Küche nur, später auch mit Durchlauferhitzer im Badezimmer. Um in den Genuss eines heißen Bades zu kommen, musste man auch da zuerst Feuer im Kanonenofen machen. Die nannte man Kanonenofen, oder?
Baden bedeutete also: Kohle schleppen in diesen gehämmerten Blechschütten. Meist Eierkohlen. An ein spontanes Badevergnügen war erst gar nicht zu denken. Nein, man musste schon wissen und planen, wann man ein Bad nehmen will.
Nicht, dass ich damals sechs Tage in der Woche ungewaschen oder müffelnd herumgelaufen wäre, das nicht, aber gebadet wurde in der Regel samstags.
Übrigens mochte ich es am liebsten, als erstes von uns Kindern zu baden… :)

Keine Ahnung, warum mir das alles heute wieder einfiel. Dieser frische Geruch beim Putzen verursachte es wohl. Vielleicht duftete so die Koche meiner Großeltern immer, wenn Oma geputzt hatte.

Was im Gedächtnis alles hängenbleiben kann, vergessen über lange Zeit hinweg, um wie bei einem Fingerschnippen wieder aufzutauchen, hat mich ein Mal mehr überrascht.
Oma und Opa sind nun schon lange gestorben.
Aber nicht in meiner Erinnerung.
Wie schön.
 
 

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