Es ist früh am Morgen. Ich bin nicht müde, aber ich muss schlafen. Dem Körper und dem Geist eine Chance geben, sich zu regenerieren. Beide zusammen halten mich aufrecht, lassen mich all das tun, was getan werden muss.
Ich kann nicht schlafen. Zu vieles geht mir durch den Kopf. Das Jahr begann unter schlechten Zeichen. Der Gedanke an Wunder schleicht mir durch den Kopf. Hätte ich letztes Jahr noch gesagt, die gibt es, wenn auch nur selten, so wäre ich heute froh, ich könnte daran glauben. Doch selbst wenn es eines gäbe, in welche Richtung sollte es denn gehen? Wegpusten? Komm, bleib auf dem Boden der Tatsachen, dumme Kuh. Hinausschieben? Wie lange? Und in welcher Form? Würde es nicht nur die Sache verlängern? Unnötig lange? Unnötig schmerzvoll? Ist ein schnelles Ende einer traurigen, einer schmerzhaften Sache nicht leichter zu ertragen? Für wen? Ist es selbstsüchtig so zu denken?
Der Zeiger bewegt sich unaufhaltsam vorwärts. Er wird sich auch noch bewegen, wenn ich schlafe. Und auch noch, wenn ich wieder erwache und hoffe zu erwachen, um dann festzustellen, der Albtraum geht weiter. Inzwischen ist es weit nach drei Uhr, als ich auf die Uhr schaue. Das nächste Mal schrecke ich aus unruhigem Schlaf als es halb fünf ist. Soll ich aufstehen? Soll ich aus dem Fenster sehen? Draußen ist alles still. Die Menschen schlafen. Alle? Nein, das glaube ich nicht.

Meine Gedanken gehen auf die Reise. Sie reisen zu jenen, denen ich Freundin sein soll…muss…, stark und helfend. Und sie gehen auf die Reise zu jenem, der mir selbst Freund und Stütze ist. Seine Hand, die ich greifen kann, diese Hand, die mir hilft, selbst den Halt nicht zu verlieren, damit ich meine Aufgabe bewältigen kann.
Diese Nacht ist seltsam. Unwirklich scheint das alles. Und doch ist es nah. Ganz nah. Da ist keine Türe, die ich hinter mir schließen kann, um alles zurückzulassen. Ich muss hindurch. Ich weiß noch nicht wie, aber weglaufen geht nicht. Mein Part daran ist: bleiben und helfen. Ich hoffe, ich finde die richtigen Worte und Handlungen.
Und bessere Gedanken.
 
 

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