Ich sehe ein Bild in angenehmen Blau-, Grau und Brauntönen gehalten. Nicht düster, aber dunkel, nicht in leuchtenden, aber in vollen Farben gemalt.
Dein Kopf bis hin zu den Schultern ist ganz nah. Du stehst auf einem diffusen Weg, perspektivisch mit dem Rücken in die Richtung, die das Vorne zu erkennen gibt, das Ziel nicht zeigt, und das Daher-komme-ich nur andeutet.
Dein Gesicht ist mit klaren Strichen gemalt. Feine Linien verleihen ihm Leben. Fältchen, vom Leben geprägte Linien, sind zu sehen, ohne dass sie auf ein Alter hinweisen. Der Mund, mit wohlgeformten Lippen, leicht geöffnet, als wolle er ansetzen, etwas zu sagen, jedoch in dieser Sekunde verharrend, dabei fehlt der wie sonst gewohnt spöttische Zug in den Mundwinkeln. Weich wirken diese Lippen, weich das Schweigen des Moments.
Die Mimik insgesamt wirkt gleichgültig, aber nicht gelangweilt. Blasse Hautfarbe in hellem Braun endet in dunklen Grautönen, die Wangen schattierend.
Die Augen in kräftigem Braun, klar umrandet, ziehen den Blick des Betrachters wie magisch an sich. Wie eine Einzäunung wirken die Begrenzungslinien des Auges. Die Iris aber verläuft wie im Nichts. Dunkle Grau- und Blautöne, vermischt zu nebelfetzenartigen Streifen, geben durch das Auge hindurch den Blick auf das im Bild hintenliegende Vorne frei, ohne es erkennbar zu machen. Unbegrenzt, federleicht dahinschwebend und doch am Platz verharrend, wirkt die Seele hinter dem Gesicht.
Mystisch ist der Blick durch das verschwimmende Jetzt. Wie durch Schatten gebildete Farbverdunklungen verwehren dem Betrachter den wirklichen Blick auf das Dahinter, jedoch erinnern zarte, angedeutete nebelweiße Pinselstriche -ganz hinten im Bild- an etwas wie eine verborgene Lichtquelle. Helleres Braun und Grau, vermischt mit ein wenig Dunkelblau, zaubert einen Kreis im Wasser, als hätte jemand einen Stein in ruhendes Wasser geworfen, mittig mit einem winzigen Hauch zartestem Nebelweiß abschließend.

Das Bild wirkt im Vordergrund bewegt, während der Hintergrund mehr ruhig gehalten ist, obwohl dort die Farben lebhafter sind. Kein Leuchten, aber doch ist es heller, man erkennt deutlich die vom Dunkel ins Licht zeigende Szene.

Es erinnert mich an Fantasy-Bilder, mystisch, aufregend und doch in sich harmonisch. Surrealistisch das alles, jedoch in diesem Bild nur das Äußere und die Iris selbst, hingegen das Gesicht mit dem Mund und den Augen ist klar wie das Wasser eines Bergsees und bietet der Iris wie ein stabiler Rahmen sicheren Halt, während alles andere sich mehr bewegend darstellt.

Your restless soul is longing.

Statt Farben.

 
©15ft. 2014

 
 

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