…obwohl du so klein nicht mehr bist.

Gerade heute wirkst du besonders zart und schutzlos. Schutzlos den Gehässigkeiten anderer ausgeliefert, die noch nicht gelernt haben, dass es sich besser miteinander als gegeneinander leben lässt. Gleichaltrige, die denjenigen folgen, die am lautesten schreien.
Ich kann dir zwar sagen, sie folgen denen auch nur, weil sie Angst haben, selbst Opfer dieser Gemeinheiten zu werden, Angst haben, ebenfalls aufzustehn und zu sagen: Stopp, das geht so nicht! Aber es hilft dir heute -noch- nicht weiter. Noch schmerzt es, Freundschaften zu verlieren.
Eines Tages wirst du erkennen, es waren keine echten Freundschaften. Freunde halten zusammen, Freunde raufen sich zusammen. Freunde bleiben. So wie du auch gerne geblieben wärst. Dein Sport, deine Liebe, „dein Leben“, sagst du.

Ich würde dir gerne diesen Schmerz abnehmen und die Erkenntnis, dass Menschen dir nicht immer wohl gesonnen sind, und Menschen mit denen du gestern noch gelacht hast, dich heute links liegen lassen. Doch du musst das leider selbst erfahren, selbst durchleben. Diese Erfahrung kann dir niemand abnehmen.

Ich wünsche dir, es wird dich festigen. Es soll dir Augen und Ohren offenhalten – und dein Herz. Du hast dich, wenn möglich, immer für Schwächere oder Ausgeschlossene eingesetzt. Bewahre dir das. Sieh hin, und wenn nötig – handle. Hab Mut, auch wenn du allein aufstehen musst.

Ich nehme dich fest in die Arme, weil ich dich liebe. Da kann kommen was will. Jeder darf Fehler machen. Ich, du, alle. Du kannst auch ein echtes Biest sein – ja, ich weiß, auch mit Eltern gut auszukommen ist nicht immer ganz leicht – aber Intriganz ist etwas, das dir zum Glück fehlt.

Mein liebes Kind, es kommen wieder bessere Tage – und wirkliche Freunde. Das aber wirst du erst viel später erkennen.

 
 

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