„Ich hab nur ne kurze Frage“, hallt es über den Verkaufstresen hinweg, während sich zwei wuchtige Arme neben mir auf die Glasplatte plumpsen lassen.
Von dieser überfallartigen Aktion in ihrer Aufmerksamkeit unterbrochen, schaut die Brot-Verkäuferin, die gerade meine Einkäufe in ihre Kasse tippt, die Trampelfrau neben mir entgeistert an und stammelt: „Ja… nein… äh… mo…mo…ment bitte.“ Nicht mal diese Antwort abwartend, schmettert die Trampelfrau in den Raum: „Gibt’s noch ein frisches Bauernbrot, bevor ich umsonst warten muss?“ Selbst überrascht von diesem Auftritt wende ich den Kopf um zu schauen, wie viele Kunden nach mir, und somit vor ihr, dran wären. 3. Drei nur. Zwei Frauen, ein Mann. Die Verkäuferin, die meine Überraschung teilt, wie ich an ihrem fast flehenden Blick erkenne, lässt augenblicklich ihren Blick übers Brotregal schweifen und erwidert: „Ja, eins hab ich noch.“

Noch bevor die Trampelfrau ausreichend Luft holen kann, um was auch immer loszutröten, ertönt eine tiefe, grollende Stimme hinter mir: „Das wird ihnen aber nichts helfen, denn das kaufe ICH und ich bin VOR Ihnen dran!“, sagt der Mann hinter mir mit lauten klaren Worten. Der Trampelfrau fällt augenblicklich die Klappe runter -quasi Höhe Taschenablage- und dann müssen wir alle grinsen. Sie glotzt den Mann verdattert an, dreht sich um und flüchtet sozusagen aus dem Bäckerladen. Wir Übriggebliebenen schmunzeln und die Verkäuferin entschuldigt sich bei mir, weil sie mich nicht unbeirrt weiterbedient hat. „Schon okay“, winke ich ihre Sorge ab, „manche Menschen habens einfach so wichtig, dass sie nicht warten KÖNNEN.“ Die Leute hinter mir stimmen in diesen Tenor ein während ich meine Waren bezahle und den Laden verlasse.

Draußen bleibe ich einen Moment stehen und atme die neblige Luft ein. Ein…aus…
Ich überlege, ob die Trampelfrau bei ihrem Tempo öfters mal stolpert und dabei feste auf die Klappe fällt… – Nein, natürlich überlege ich das nicht.
Aufregen kann mich so was meistens nicht. Nicht mehr. Solche Leute tun mir leid. Und sie sind überall. Kaum eine/r kann mehr warten. Rote Ampeln, Telefon, Überholen, SMS, Tankstelle, Bankautomat, Bus, und und und…

Nur mal kurz…? Gelebt?

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