Manchmal, ich bin noch nicht hinter den Auslöser gekommen, manchmal also, in unregelmäßigen Abständen, aber immer und immer wiederkehrend, denke ich an sie. Wie es ihr geht. Jetzt gerade. Lacht sie? Sie lacht viel. Weint sie? Ist sie traurig? Jetzt gerade. Ist sie im Stress mit dem Job? Der Familie? In Hektik? Beim Kochen? Beim Lesen? Sitzt sie vielleicht gerade da, so wie ich und denkt an – mich?
Vielleicht hätten wir uns ja gemocht. Ich glaube schon. Wenn da dieses Misstrauen nicht wäre. Ihres nicht. Und meines nicht. Vielleicht würde es sich in Luft auflösen.  Dieser Moment… unsere Blicke treffen sich… prüfen… fühlen… wissen… erkennen… in diesem Augenblick… da gibt es nur noch ein Miteinander… kein Gegeneinander. Wieso auch.
Klar, wir haben wahrscheinlich genauso viel gemein wie … keine Ahnung wie was. Ich kann keine Gegensätze festmachen, wenn ich keine Gemeinsamkeiten kenne. Ich stelle es mir nur so vor. Manchmal. Wenn wir uns träfen, vielleicht würde sie zu mir sagen: „Du bist eine blöde Kuh“, oder ich zu ihr: „Zick nicht so rum, und vor allem, schrei nicht immer so.“ Vielleicht wäre unser Zusammentreffen nach ein paar Minuten beendet. Basta. Finito. Ende für immer. Wegen Gleichgültigkeit. Vielleicht würden wir uns die Münder heissreden, uns angiften, jede Sekunde darauf bedacht, nur ja den nächsten Schlag abzuwehren. Würde sie mich hassen? Wieso eigentlich. Diese Angriffe. Vielleicht würden wir uns auch nur stumm gegenübersitzen und in den Augen der anderen das Bedauern sehen, dass es ist, wie es ist. Die Umstände. Manchmal sind die Umstände schlecht.  Falsche Zeit. Falscher Ort. Falsch. Alles falsch. Müsste man nicht über alles hinweggehen, um eine Chance zu haben? Einen Stein ins Rollen bringen?… Manche Steine liegen gut, dort, wo sie liegen… besser liegen bleiben sollten. Ist es nicht besser mit dem, was man hat, mit dem, wie es ist, zufrieden sein? Fest im Herzen bewahren, was man hat. Es ist viel mehr, als manch einer hat, jemals bekommen wird. Das schon. Ich vergesse es nicht. Bin auch froh darüber und dankbar. Doch… welches Potential steckt in uns? Was könnten wir uns gegenseitig geben? Könnten wir? Ich hätte es gerne gewusst, hätte sie gerne verstanden. Sie und ihre Beweggründe, so zu handeln. Hass. Dieser seltsame Hass. Warum bloß.
Meine Fragen werden bleiben. Ungefragt. Unbeantwortet.

Pass gut auf dich auf, dort wo du bist! Da draußen. Irgendwoanders da draußen – denk ich an dich.

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