Manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre, weit draußen zu leben. Weit weg von allem was laut und schrill ist. Statt der unzähligen Handynutzer mit Schrei-Flatrate in überfüllten ICEs, lieber vor sich hin träumende Menschen im Pendelzug; statt zehntausend Quadratmeter SB-Supermarkt-Überangebot, lieber frische Milch vom kleinen Laden um die Ecke; statt Notfallpraxis in 20 km Entfernung, lieber den Doc von nebenan, der seine Patienten noch beim Namen kennt; statt Fastfoodhaus und Kindergeburtstagsséparée, besser frisch gekochte Saison-Leckereien, selbstgebackener Kuchen und Spiele im Freien.

Manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre, weit draußen zu leben. Weit weg von allem was laut und schrill ist. Statt der unzähligen Handynutzer mit Schrei-Flatrate in überfüllten ICEs, lieber vor sich hin träumende Menschen im Pendelzug; statt zehntausend Quadratmeter SB-Supermarkt-Überangebot, lieber frische Milch vom kleinen Laden um die Ecke; statt Notfallpraxis in 20 km Entfernung, lieber den Doc von nebenan, der seine Patienten noch beim Namen kennt; statt Fastfoodhaus und Kindergeburtstagsséparée, besser frisch gekochte Saison-Leckereien, selbstgebackener Kuchen und Spiele im Freien.

Nein, nicht dass ich die Pommes von da nicht mögen würde, ich wollte auch nicht auf Strom, Internet oder Handy verzichten müssen, aber alles in Maßen, alles gemessen an seiner Notwendigkeit.
Heute früh hörte ich, wie jemand telefonierte: „Hier ist total mieses Wetter. Es ist arschkalt und es kübelt schon den ganzen Tag.“
Ich musste lachen, denn es war zwar recht frisch geworden und es nieselte auch ein wenig. Klar, der Himmel kleidete sich in einheitliches Grau, mit Sonne war kaum zu rechnen an diesem Tag, aber selbst diesem langweiligen Grau konnte ich Sympathie entgegenbringen.

Wie schön wäre das, jetzt an einem kleinen See zu sitzen. Die Nase in die feuchte Luft zu halten, den Wind im Gesicht zu fühlen und den Horizont hinter dichten Nebelschwaden zu erahnen.
Ich würde da still am Wasser sitzen und den Kreisen zuschauen, die die Regentropfen auf dem Wasser bilden, ich würde Hunden zuschauen, wie sie im See baden und ich würde schimpfen, wenn sie sich direkt neben mir schütteln, ihr Fell danach trocken wäre, meine Kleidung dafür nass. Ich würde das Bild genießen, wie sie um die Wette nach Stöckchen rennen und Mäuselöcher inspizieren. Ich würde dem leisen Rauschen des Regens lauschen, wenn er seine Melodie auf Blättern und Gräsern spielt. Ich würde zuschauen, wie sich in den Vertiefungen der Erde zuerst kleine, dann immer größere Pfützen bilden und wie vom Dach des kleinen Häuschens, dort direkt am See, kleine Rinnsale herunterlaufen. Die alten Dachziegel würden glänzen, als wären sie fabrikneu. Welche Schönheit, die nur bei Nässe erkennbar wird. Wie Steine am Meer, denke ich, auch sie bekommen ihre Lebendigkeit nur, wenn sie mit Wasser benetzt werden. Ziegen und Gänse würden Schutz suchen im provisorischen Schuppen und Katzen würden sich auf die Lauer legen nach den Vögeln in den Bäumen, die mit zunehmendem Regen schließlich verstummen. Dunkelrote Rosen würden ihre zarten Blütenblätter dem herbstlichen Wind als Opfer bringen und Sonnenblumen demütig ihren Kopf verneigen. Und ich, ich würde mich freuen auf knisterndes, duftendes Holz im Kamin, dessen Wärme mich später umgeben würde. Die Hunde würden sich auf ihren Decken schlafen legen und nur manchmal die Ohren bewegen um einem Geräusch zu folgen. Ich würde zuerst die Flammen, dann die Glut betrachten, einen Schluck Wein langsam im Mund zerfließen lassen und jeden einzelnen Geschmackspunkt wahrnehmen, bevor ich ihn genussvoll meine Kehle hinunterlaufen lasse. Ich würde plan- und ziellos meinen Gedanken Lauf lassen und dem Tag Zuneigung entgegenbringen. Diesem Tag, grau und verhangen. Den Moment genießen.

 

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