es wagen?

 
 
Sapere aude. Wage es, weise zu sein.

Was ist weise? Wann ist man weise?
Ist man weise, nur allein, weil man es wagt?
Aber WAS wagt?
Wird man nicht erst dadurch weise, weil man gewagt hat?
Wagen bedeutet doch, etwas zu tun, das mit Risiko behaftet ist, sich also trauen, trotz eines Abers?
Dann wäre weise eine Folge der Erfahrung, Erkenntnis – Ergebnis, dessen, was man getan hat.
Also kann einer, der sich nicht traut, niemals weise werden oder sein?

Also doch allein durch wagen weise sein?

Ändert sich etwas, wenn man weise wird?

Wird irgendetwas leichter?

 
 

Nine Eleven

 
 
Fassungslosigkeit. Stummes Entsetzen.

Was haben diese vielen sich eigentlich dabei gedacht?

Hoffentlich werden die Gedanken, die sich mir heute aufdrängen, niemals wahr.
 
 
edit:
Okay, die wollten ihn dort unbedingt, sollen sie ihn auch ertragen müssen.
Wenn nicht alle davon betroffen wären, wäre es nur lächerlich – und peinlich.
 
 

Ausgekämpft

 
 
Nicht überrascht, aber überraschend wird mir bewusst, was man alles schaffen kann, wenn man muss.

Die Alternative wäre gewesen, wegzulaufen. Aber dann? Wer hätte sich dann gekümmert? Kann man vor sich selbst davonlaufen?
Wie tief kann man hineinstapfen, um am Ende doch wieder aus eigener Kraft herauszukriechen, aufzustehen, aufrecht zu gehen?
Es erinnert mich an Moore. Nicht, dass ich jemals in einem lebenden Moor festgesteckt wäre, aber ich stelle es mir so vor. So, wie ich es in gruseligen Filmen schon gesehen hatte, genau so fühlte es sich an. Du tappst da rein, sackst ein Stück nach unten weg, spürst sofort Unwohlsein, fühlst dich bedroht, hilflos, aber erst wenn du versuchst dagegen anzugehen, wieder rauszukommen, dich bewegst, sinkst du noch weiter. Die Masse an diesem schwerem schwarzen Sumpf drückt dir den Körper zusammen, presst dir die Lunge zusammen, drückt dir langsam die Luft ab. Eine innere Panik wird von einer noch größeren äußeren ersetzt. Jede Bewegung zieht dich tiefer, statt stillzuhalten, vielleicht um Hilfe zu bitten, zu rufen, vielleicht ist ja doch jemand da, der dich herausziehen kann, machst du die falschen Bewegungen.
Irgendwann wird klar, es gibt kein Entrinnen. Es gibt nur noch einen Weg und der geht nach unten. Was bleibt ist Akzeptanz. Kein Aufbäumen. Keine Wut. Keine Trauer. Akzeptanz. Annehmen. Nur das bleibt.
Und genau das ist die Rettung.
Wenn die Emotionen in einer Kiste verpackt in die Ecke gestellt wurden, kann man anpacken. Man muss tun, was man tun muss. Scheiss Geschwätz. Aber dennoch stimmt es. Dann gehts. Und sogar noch mehr.
 
Und nach einer Weile ist man darüber verwundert, wie es einen schließlich verändert hat.
 
 

Respekt, oder: Stillstand Leben

Schlagwörter

, , ,

 
 
 
Diese anhaltende Trockenheit führt mich dieses Jahr häufig auf den Friedhof. Blumen brauchen Wasser zum Leben.
Leben auf dem Friedhof?

Heute bin ich schon früh unterwegs. Ein weiterer heisser Spätsommertag wurde vorhergesagt. Für mich viel zu heiss, aber wenn sich Wetterfrösche schon mal täuschen dürfen, tun sie es garantiert nicht.
Wie meist, wird mir beim Betreten des eingefriedeten Geländes sofort die Stille bewusst, die mich jetzt umgibt. Lediglich ein leises Rauschen der Autos, die manchmal auf der Landstraße vorbeifahren, kann ich hören.
Leben neben dem Friedhof?

Oft überlege ich, warum wir damals nicht ein Grab ausgewählt haben, das nahe zum Eingang liegt. Es wäre heute schneller zu erreichen, schneller gegossen, schneller erledigt. Damals erschien uns kein Platz schön genug für eine letzte Ruhestätte, Sonne solltest du haben und im Sommer am Nachmittag auch Schatten. Und schließlich gibt es noch diese gesetzlichen Vorschriften, und die von der Gemeinde. Nicht mal im Tod darf man sein wie man will. Einiges der immensen Gebühren bleibt sicher in der Gemeindekasse hängen. Nicht alles, aber doch einiges.
Geschäfte mit dem Friedhof?

Bereits nach ein paar Schritten ist meine Frage schon beantwortet. Ich gehe die beschattete Allee hinunter, lausche in die Umgebung hinein und höre nach wie vor – nichts. An diesem Morgen ist hier nur Stille, und ich sehe auch keine Menschenseele. Als ob man Seelen sehen könnte… Ich sehe also keinen Menschen. Tiere schon. Eichhörnchen wohnen auf diesem Gelände, Amseln, Spatzen, Meisen und auch den Specht höre ich oft hämmern. Die Maulwürfe sehe ich nie, und wenn doch, sind sie auch tot. Und die Wühlmäuse sind ein Problem. Darf man Wühlmäuse töten, nur weil sie sich durch die Pflanzen auf den Gräbern fressen?
Einmal habe ich eine alte Frau getroffen, mit ihrem Hündchen, wo Hunde auf dem Friedhof doch streng verboten sind. Aber das ist eine andere, rührende, Geschichte.
Tierpark Friedhof?

Ich höre also nichts. Nichts Störendes. Und genau diese Stille mag ich. Damals noch nicht. Damals, das ist viele Jahre her, als der Schmerz ganz frisch war. Er kam unerwartet und heftig. Wie ein Schwerthieb teilte er unser aller Leben entzwei. Zack. Vorbei. Was kam und blieb, ist die Erinnerung an viele gemeinsame Momente, Worte und Begebenheiten. Heute zerrt es nicht mehr. Heute ruht es.
Ruheplatz Friedhof?

Manchmal, wenn ich andere Menschen auf dem Friedhof sehe, ist es trotzdem genauso still. Das Plätschern an den Brunnen, wenn Gießkannen befüllt werden, hört man zwar, oder ein leises Murmeln, wenn sich die Menschen unterhalten, aber es ist trotzdem still. Ich empfinde es jedenfalls so.
Woran es liegen mag, dass ein Ort wie dieser von nahezu allen Besuchern respektiert wird, sieht man mal ab von Blumen- oder anderen Grabdekorationsdieben, vereinzelten pubertierenden Halbstarken, die ihre Mutproben nachts zwischen den Gräbern ableisten sollen und eher seltenen Anhängern von fragwürdigen spirituellen Ritualen?
Tatort Friedhof?

Man kann glauben was man will, oder auch nichts.
Man kann sein, wie man ist oder gerne wäre. Man kann reich sein, oder arm, klug oder dumm, jeder wird hier sein Ende finden. Das Ende ist immer das gleiche, auch wenn der Weg dorthin noch so unterschiedlich ist.
Vielleicht verschafft gerade darum dieser Ort diesen Respekt? Die Ungewissheit vor dem Ende? Sehr wohl wissend (…der Mensch ist ein Verdrängungskünstler…) es ist einmalig, nicht mehr widerrufbar und keiner weiß, wie es sich anfühlen wird.
Oder ist es, weil man einen Menschen mochte oder geliebt hat? Oder weil man am Ende vergeben kann, weil es das Letzte ist, das man tun kann?
Was im Leben lautstark ausgelebt wurde, wird hier still. Wenn man es zulässt. Zulassen kann.
Nach Zeit.

Ort der Veränderung.