Gedankensprung

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Keine Neuauflage.
Keine Wiederholung.
Buchstaben, Silben, Worte, Sätze.
Gedanken.
Sätze wie mit Textbausteinen gebildet begrenzen die Anzahl der Möglichkeiten.
Wie ein Würfel mit aufgedruckten Wörtern.
Ein Schleier von Langeweile würde sich langsam senken. Wie Nebelfetzen.
Monotonie. … Ohrwurm.
 
 
 

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Nicht für mich

 
 
Vor ein paar Tagen erzählte mir eine Mutter, deren erwachsene Söhne nun aus der elterlichen Wohnung ausgezogen sind, sie wüsste abends gar nichts mehr mit sich anzufangen.
Ich hakte nochmal nach und fragte, ob sie meinte, sie hätte seit dem Auszug der Kinder tatsächlich Langeweile.
Ihr Gesicht wurde darauf von tiefen Leidensfalten durchzogen und eine jämmerliche Stimme piepste zurück: „Ja, ich weiß nicht, was ich abends alleine mit mir anfangen soll und jeden Abend ist mir seitdem langweilig. Ich weiß nicht, was ich dann machen soll.“

Einen Moment lang war ich sprachlos.
Ich kenne das Gefühl, wenn plötzlich wildes Herumgetanze, lautes Gekichere, ständiges Dideldö ankommender WhatsApp-Nachrichten und vor allem die unerwarteten Turbulenzen im Haus fehlen und ungewohnte Stille sich breit macht. Es fühlt sich in der Tat seltsam an.
Andererseits wusste ich nach einer Woche schon zu schätzen, dass der Berg wöchentlicher Wäsche auf die Größe eines Hügelchens schrumpfen kann, die Wasseruhr fürs Duschwasser nicht mehr regelmäßig ausflippen muss und mein Lieblingsjoghurt tatsächlich noch im Kühlschrank steht, auch wenn ich ihn erst zwei Stunden nach dem Einkaufen essen will. Wer hätte das gedacht.

Keine Sekunde war mir seitdem langweilig. Ich hatte noch nicht mal den Gedanken daran.
Nicht, dass ich die Folgen ihres Auszugs nicht spüren würde. So ist das nicht.
Wichtig ist mir aber zu wissen, es geht ihnen gut. Wichtig ist zu wissen, sie können ihr Leben jetzt selbstständig gut gestalten.
Wichtig ist zu wissen, sie kommen zu jeder Zeit gerne nach Hause.
Wichtig ist, sie wissen, sie dürfen zu jeder Zeit nach Hause kommen.

Wir sehen uns. Wir mögen uns. Wir freuen uns aufeinander.
Auch wenn da hin und wieder ein Hach-ja über meine Lippen kommt, das Flüggewerden bringt auch Vorteile mit sich. Man muss sie nur sehen wollen, dann kann man sie auch genießen.
Langeweile? – Ich weiß nicht wie sie sich anfühlt.
Es gibt so vieles zu tun, so viele Möglichkeiten, so viel Neues, so viel Aufgeschobenes, so viele Ideen, so viele Gedanken.

Manchmal sitze ich nur da, schaue in die Wolken, atme tief ein, atme tief aus, hänge meinen Gedanken nach. Ich lasse sie einfach kommen… und wieder gehen… Ganz einfach. Nur so.
Eine Weile lang.
Ohne Langeweile.
 
 

daheim

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Daheim… ist, nach Hause zu kommen, die Türe hinter sich schließen zu können, ohne Erklärung, ohne Begründung, ohne nachzufragen. Daheim… bedeutetet, es ist nicht wichtig, ob geputzt ist, ungewaschene Wäsche herumliegt oder gewaschene darauf wartet, einen Platz im Schrank zugeordnet zu bekommen, sich ungespültes Geschirr stapelt – der einzige Mensch, den es stören könnte, ist man selbst, allenfalls noch ein Familienmitglied, doch auch da kann man sich arrangieren. Daheim… heisst, anziehen zu können, oder auszuziehen, was man will, zu hören, zu lesen, anzuschauen oder sonst zu tun, was man will. Daheim… ist, sich fallenlassen und gehenlassen zu dürfen, alles Ungewollte vor der Türe stehen zu lassen, auszusperren und sich zurückziehen zu können, wann und so lange man will. Daheim… ist Wohnung, Haus, Höhle, Burg, Rückzugsort, Schutzraum, Zuflucht. Daheim… fühlt sich warm an, vielleicht so, wie ein weicher Mantel, der einen schützend umhüllt.
Von Zeit zu Zeit sammelt sich Staub auf dem Mantel. Er muss dann gewaschen werden.

Lindenblätter.
 
Daheim ist, in sich ruhen.